Eine Herzensangelegenheit

Hallo zusammen! 
Kurz vor Weihnachten liegt mir eine Sache am Herzen, die ich bereits oft wahr genommen habe und aus aktuellem Anlass möchte ich heute etwas dazu schreiben:

Seit Mittwoch gibt es den Schnitt für die SHO!baggypants für Euch alle zum Kaufen. Ich habe selten vorab schon so viele Anfragen bekommen, wann der Schnitt online geht und das erste Feedback war wahnsinnig positiv.

Aktuell ist es aber so, dass es in einer sehr grossen Nähgruppe gerade einen regelrechten „Shitstorm“ zu einem Beitrag der SHO!baggypants aus dem Probenähen gibt. Die liebe Charlotte zeigt hier stolz eine ihrer genähten Hosen, und schreibt, dass sie sich diese Hose quasi selbst vorab zu Weihnachten geschenkt hat. Allein daran kann der aufmerksame Leser mit ein bisschen Empathie (http://de.lmgtfy.com/?q=Empathie) erkennen, das hier jemand schreibt, der sich über das, was er da zeigt, freut. 
Es wurde keineswegs nach einer Meinung, ob das nun gut oder schlecht ausschaut gefragt, sondern es ist einfach nur ein stolzes Zeigen. So, und dann kommen die ersten Kommentare dazu…ungelogen, die ersten neun nur negativ von „Wirklich hübsch ist sie nicht“, über „Hinten sieht es aus als wenn man Köttel in der Hose hätte. Schrecklich.“ und „Bitte nicht nach draußen mit der Hose“… das sind jetzt drei aus den ersten neun Kommentaren.

Mir ist bewusst, das dieser, wie viele meiner Schnitte, Geschmackssache ist, und durchaus auch polarisieren kann. Es gibt einfach Leute, denen es gefällt und andern einfach nicht – so wie mit vielen Dingen im Leben.

Aber egal, ob es nun „Jemandes Ding ist oder nicht“, eines sollte man bei einem Feedback nie vergessen: RESPEKT! Und das gilt nicht nur für Nähgruppen, sondern das sollte man sich jeden Tag und immer wieder zu Herzen nehmen.

Und mittlerweile sind es über 100 Kommentare. Es sind durchaus einige positive dabei und auch eine Hand voll mit angebrachter konstruktiver Kritik, aber die Mehrzahl setzt sich wie in den ersten 9 Kommentaren fort. Und so eine Reaktion ist in der heutigen Zeit echt keine Seltenheit – und das macht mich wahnsinnig traurig.

Denn was viele von diesen Kommentarschreibern anscheinend überhaupt nicht im Sinn haben, ist das hinter jedem Beitrag ein Mensch steht. In dem Fall ein Mensch, der sich über etwas freut, dem etwas gefällt und es gerne zeigt. 
Ein Mensch, der noch dazu im Probenähen sehr aktiv war, sich wahnsinnig viel Mühe gegeben und Zeit investiert hat meine Anleitungen mit zu korrigieren, der die über zwei Monate konstruktiv „am Ball“ geblieben ist, weil ihr die Hose einfach gut gefällt und sie Spaß daran hat. 
Nun zeigt sie ihre erste Hose und dann muss sie sich so etwas anhören.

An alle die, die sobald ihnen etwas nicht gefällt was sie sehen, in die Tasten hauen mal eine Frage: Was denkt Ihr Euch dabei? Denkt Ihr überhaupt? Oder fühlt Ihr Euch einfach nur besser, wenn Ihr das was anderen gefällt nieder macht?

Was ich in so einem Fall schon immer mal fragen wollte: Geht Ihr draussen auf der Strasse, sozusagen im „echten Leben“, auch einfach ungefragt auf andere Menschen zu und sagt: „Hey, die Jacke die Du zu der Hose trägst, schaut aber scheisse aus, farblich geht das ja gar nicht“ …oder „Sag mal, die Hose hätte es doch sicher auch in Deiner Größe gegeben, oder?“ Ich bin mir sicher, das macht ihr nicht – aber warum dann im Netz?

Ich hör sie schon, die Kommentare wie „wenn man etwas im Netz präsentiert, dann darf man nicht nur mit positivem Feedback rechnen“ oder „darf ich nur schreiben, wenn was gut ist? ich bin lieber plump ehrlich als heuchlerisch“…

Aber Leute, es geht hier definitiv um das WIE und nicht um das WAS!

Als erstes, wenn ich einen Post lese, dann muss ich erkennen, um was es hier geht. Es gibt Leute, so wie ich manchmal, die gezielt nach einer Meinung fragen – dann darf es sowohl positiv als auch negativ sein – damit rechne ich. Aber auch hier darf die negative Kritik durchaus konstruktiv sein, warum z.B. ist etwas nicht gut, und wie kann man es evtl. besser machen. Aber wenn ich direkt nachfrage, dann komm ich auch mit einem „ne, schaut scheisse aus“ eher klar, als wenn ich einfach stolz etwas, das mir gefällt, präsentieren möchte.

Zeigt jemand etwas, weil es ihm selbst gefällt, aber ich sehe, das es nicht gut aussieht, dann muss ich mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg halten. Wenn ich der Meinung bin, das etwas nicht gut aussieht, dann kann ich das durchaus sagen, indem ich nett verpacke was mir nicht gefällt und jetzt kommts: auch sage, was ich meiner Meinung nach anders machen kann, damit es eben besser wird. Denn darum geht es doch bei Feedback – dem anderen zu helfen, ihn zu unterstützen. Und genau das hat für mich mit Respekt zu tun!

Es geht nicht darum mich besser zu fühlen, weil ich dem anderen mal so richtig die Meinung gegeigt habe.

Das ist nämlich mein Gefühl, was es bei vielen ist: ich geh mal schnell ins Netz und tob mich aus, da es bei mir im „richtigen Leben“ gerade nicht so läuft. Und wenn dann vor mir sogar schon jemand einen schlechten, unkonstruktiven Kommentar losgelassen hat, dann umso besser, dann gehts noch leichter von der Hand. Aber dabei wird vergessen, das das Feedback am anderen Ende bei einem Menschen ankommt, der eine kommt besser damit zurecht, der andere weniger und man sollte sich das immer wieder vor Augen halten.

An alle die Kommentare wie die ersten neun tippen: Fragt Euch doch beim Tippen ins Kommentarfeld einfach mal: Würde ich das der Person auch so ins Gesicht sagen? Und wenn nein, dann schreibe ich es so auch nicht, bzw. überlege mir, wie ich es umformulieren kann, so dass ich es der Person auch persönlich sagen könnte. Fällt mir dazu nichts ein, dann doch einfach versuchen, drüber weg zu schauen und weiter zu scrollen.

Und an alle anderen hier von Euch, und dazu denke ich das die meisten die das hier lesen zählen: Stolpert Ihr über solch verletzende Kommentare, dann helft doch mit einem eigenen, konstruktiven Kommentar, ein paar nette Worte und einem Hinweis, dass der Kommentar unangebracht ist. Das macht die (Internet-) Welt doch auch schon ein kleines bisschen freundlicher 🙂

Ich danke Euch fürs Lesen und wünsche Euch allen eine SHO!enen Sonntag. Ich hoffe, dass Euch die letzten Weihnachtsvorbereitungen unstressig von der Hand gehen und bitte Euch einfach mal darüber nachzudenken: Kritik ist durchaus erwünscht, aber bitte konstruktiv und aus dem Motiv heraus dem Kritikempfänger helfen zu wollen – und selbst wenn die Kritik an einen Kritiker geht ;-)!

Eure Silke

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